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No. 01 · April 2026 Was die Kunst weiß. Archiv

Markt & Preise

Hongkong liefert: $160 Millionen und ein neues Argument für Malerei

Die Auktionssaison März 2026 in Hongkong hat gezeigt: Der asiatische Kunstmarkt erholt sich mit Nachdruck. Christie's, Sotheby's und Phillips erzielten gemeinsam rund 1,25 Milliarden Hongkong-Dollar (circa 160 Millionen US-Dollar) — alle drei Häuser meldeten bessere Ergebnisse als erwartet, Christie's und Sotheby's beide mit White-Glove-Sales.

Gerhard Richter bleibt die unerschütterliche Leitwährung des Marktes: Sein „Abstraktes Bild" (1991) erzielte bei Christie's Hongkong HK$ 92,1 Millionen (ca. 11,8 Millionen US-Dollar). Noch beeindruckender: Joan Mitchell setzte mit „La Grande Vallée VII" einen neuen Asien-Rekord — HK$ 129,1 Millionen (ca. 17,6 Millionen US-Dollar) bei Sotheby's, ein Sprung von 84,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders signifikant aus zeitgenössischer Perspektive: Lenz Geerk setzte mit „Couple on a Fresco" bei Christie's einen neuen persönlichen Auktionsrekord — HK$ 2,1 Millionen (ca. 275.000 US-Dollar). Für einen Maler, der noch keine 40 ist, ist das eine Zahl mit Bedeutung: Der Markt hat gewertet. Dass ein noch vergleichsweise junger Gegenwartsmaler mit figurativen Ölgemälden im siebenstelligen Hongkong-Dollar-Bereich handelt, ist ein deutliches Signal: atmosphärisch aufgeladene Figuration ist gefragter denn je.

Ebenfalls auf dem indischen Subkontinent war die Marktdynamik spürbar: Ein Gemälde von Raja Ravi Varma, „Yashoda and Krishna" (ca. 1890er), wurde für 17,9 Millionen US-Dollar versteigert — ein neuer Rekord für südasiatische Malerei.

Im Kommen

Names to Watch

Berlin · Malerei · Städelschule

*1989, London; lebt in Berlin. Slade School of Fine Art, dann Städelschule Frankfurt in der Klasse von Amy Sillman. Das 2024 verliehene Arbeitsstipendium des Berliner Senats ist eine erste offizielle Anerkennung. Mit „Die Zähmung" präsentiert der Oldenburger Kunstverein ihre erste große institutionelle Einzelausstellung (bis 10. Mai 2026). Semmer schafft fotorealistische, doch psychologisch aufgeladene Malerei: Bildmaterial aus Teenagermagazinen, Soap Operas und Internetforen, übertragen auf quarzsandgrundierte Leinwände in Öl. Klingt zunächst nach Appropriation — ist aber präzise beobachtete Zeitgeistmalerei.

Providence / USA · Hybride Malerei · Ochi Gallery

*1989, USA; lebt in Providence, Rhode Island. Assistenzprofessor am RISD. Okokon bezeichnet sich selbst als „Maler, der selten einen Pinsel zur Hand nimmt": Familienfotos aus Ghana und Werbedruck werden mit Silkscreen überlagert und dann buchstäblich verbrannt — verbrannte Kokosmilch als Schicht über Tinte. Das Ergebnis sind Bilder, in denen Figuren aus Schichten auftauchen und verschwinden, als wäre das Vergessen selbst der Malvorgang. Frieze Los Angeles 2026 präsentierte ihn in der Focus-Sektion als Solo — ein Debüt, das in Sammler- und Kuratorenkreisen bereits vor der Eröffnung diskutiert wurde.

Brooklyn · Gestische Malerei · Hannah Traore Gallery

*1998, New York; lebt in Brooklyn. Dartmouth BA 2020, derzeit Studioassistentin bei Julie Mehretu und gleichzeitig mit eigenem Werk in Ausstellungen wie „Swallow the Moon" (Amanita, New York, 2026). Adkins entwickelt das Konzept des „Afro-futuremyth": Mythologie als laufender Prozess der Neu-Erfindung, mit Referenzen auf die Tuskegee-Flieger, das sambische Weltraumprogramm und Sun Ra. Ihre gestischen Malereien sind komplex geschichtete Palimpseste — in der Nachbarschaft von Mehretu, aber eigenständig in ihrer narrativen Dichte.

Stil & Material

Was gerade passiert: Die Rückkehr des Handmarks

2026 ist das Jahr, in dem die Kunstwelt offiziell die glatte digitale Oberfläche satt hat. Was sich in den letzten zwei Jahren als Gegenbewegung zum KI-Bild abzeichnete, ist jetzt Konsens: Textur, Gewicht, sichtbare Pinselführung — die handgemachte Spur als Bedeutungsträger. Plaster, Resin und Öl werden in derselben Komposition eingesetzt; Schichtung als Methode nicht der Veredelung, sondern der Störung.

Naïve Painting als Haltung. Die sogenannte „naïve Malerei" erlebt einen Hochpunkt — nicht als Unbedarftheit, sondern als konzeptuell unterfüttertes Stilmittel. Lockere Linien, absichtlich proportionsteure Figuren, scheinbar einfache Marks: Wer heute so malt, hat oft eine solide akademische Ausbildung im Rücken und wählt diese Sprache bewusst. Die Nähe zu Daniel Richter, George Condo und Jonathan Meese ist kein Zufall.

Erdton-Paletten und das Ende des Pop-Neons. Helle, schreiende Farben verlieren an Dominanz. Was stattdessen erscheint: Tonerde-Rot, Moosgrün, verwittertes Ocker, espressodunkle Brauntöne. Keine Positivität als Haltung — sondern Materialtiefe. Diese Palette verträgt dicken Impasto-Auftrag hervorragend, da die Farbschichten ineinander arbeiten statt zu schreien.

Transfermalerei und Hybridtechniken gewinnen an Boden: Silkscreen über Öl, eingebrannte Schichten, Fotografie als Untergrund. Die Grenze zwischen Malerei und Druckverfahren wird gezielt unscharf gehalten — eine Reaktion auf die algorithmischen Bilder, die überall sonst um Aufmerksamkeit werben. Was derzeit an Aktualität verliert: sterile Minimaloberflächen, Social-Media-Ästhetiken ohne materiellen Widerstand, Malerei die nach Inneneinrichtung aussieht.

Zeitgeist-Essay

Die Malerei und das Ende der Distanz

Es gibt eine Geste, die 2026 über alle anderen dominiert: das Hinlangen. Die Hand, die sich dem Malgrund nicht distanziert nähert, sondern ihn berührt — mit Gewicht, mit Volumen, manchmal mit Spachtel oder Finger statt Pinsel. Das ist kein Rückschritt. Es ist eine präzise Antwort.

Der Kunstmarkt Hongkong lieferte im März die Bestätigung in Zahlen: Während digitale und konzeptuelle Arbeiten ihre Spitzenpreise aus der Pandemiezeit nicht mehr erreichen, steigen Malerinnen und Maler mit handwerklicher Substanz. Joan Mitchells „La Grande Vallée VII" — Öl in massivem Impasto aufgeschichtet — erzielte 17,6 Millionen US-Dollar und damit einen neuen Asien-Rekord. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Feld erinnert sich daran, dass Materialität kein ästhetisches Accessoire ist, sondern das eigentliche Thema.

Was steckt dahinter? Die schnelle, lakonische Erklärung lautet: Reaktion auf KI. Das stimmt, ist aber unvollständig. Die Bewegung begann früher — mit einem generellen Überdruss an der Oberfläche. Ein Bild, das nach Bildschirm aussieht, fühlt sich im Jahr 2026 wie Archiv an. Was stattdessen gefragt ist: ein Bild, das nach Zeit riecht. Nach Trocknungszeit, nach Schichtung, nach Entscheidungen, die nicht rückgängig zu machen waren.

Die aufkommenden Figuren dieser Saison — Babette Semmer, Africanus Okokon, Turiya Adkins — eint eine Gemeinsamkeit: Sie alle gehen mit dem Bildmaterial um, als wäre der Akt der Malerei selbst ein Kommentar auf das Bild. Semmer malt aus Teenagerzeitschriften, als würde sie deren Naivität mit akademischer Präzision sezieren. Okokon verbrennt Siebdrucke mit Kokosmilch — Familienfoto und Asche als Doppelbelichtung. Adkins baut gestische Schichten auf, die Mythologie und Alltagssportbild übereinanderlegen.

Das ist keine Generation, die Malerei als Relikt behandelt. Es ist eine Generation, die genau weiß, warum Malerei 2026 nicht durch etwas anderes zu ersetzen ist: weil sie Zeit vergegenständlicht. Ein Gemälde von Lenz Geerk, das bei Christie's einen Rekord bricht, enthält Pinselspuren, die in dem Moment entstanden sind, in dem der Gedanke sie auslöste. Das kann kein Algorithmus replizieren — nicht weil die Algorithmen nicht gut genug wären, sondern weil Replizierbarkeit das Gegenteil von dem ist, was ein Gemälde trägt.

Die Prognose für die nächsten 12 bis 18 Monate: Die institutionelle Aufmerksamkeit wird noch stärker auf Maler und Malerinnen rücken, die aus dem Archiv schöpfen — aus Fotografie, aus Druckmedien, aus dem kollektiven Bildgedächtnis —, aber den Schritt der malerischen Übersetzung sichtbar lassen. Nicht Photorealismus, sondern das Gegenteil: eine Malerei, die das Foto einschließt und dann übersteigt. Atmosphäre statt Abbildung. Gewicht statt Glanz.

Institution

Luc Tuymans

*1958, Mortsel (Belgien) — lebt in Antwerpen · David Zwirner

Luc Tuymans hat seit den frühen 1990er Jahren eine Malersprache entwickelt, die gleichzeitig sparsam und komplex, banal und beunruhigend ist. Seit 1994 bei David Zwirner, nahm er 1992 an der Documenta IX teil und vertrat 2001 Belgien auf der Venedig Biennale. Die Tate Modern widmete ihm 2004 eine Retrospektive. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des MoMA New York, des Centre Pompidou Paris, des Solomon R. Guggenheim Museums, der Tate UK und der Fondazione Prada.

Was Tuymans interessant macht: Er malt aus fotografischen und filmischen Quellen — Medienbilder, eigene Aufnahmen, Zeichnungen — und überführt sie in Gemälde, die weit mehr tragen als ihr Sujet. Schnelle Pinselstriche, nassgemalt, kein Korrekturbedarf: Tuymans arbeitet alla prima. Das Ergebnis ist eine Malerei, die das Fotografische einschließt und gleichzeitig widerlegt. Sein aktuelles Werk „The Fruit Basket" (2025/26), ein 16-Fuß-hohes Rasterwerk aus neun Teilen, treibt den Dialog zwischen digitalem Bild und Pinselstrich auf die Spitze. Schau auf die Palette — gedämpft, bläulich. Dann schau auf den Strich. Der Strich ist alles.

Institution

Nicole Eisenman

*1965, Verdun (Frankreich) — lebt in Brooklyn, New York · Hauser & Wirth

Nicole Eisenman schloss ihr Studium an der Rhode Island School of Design 1987 mit einem BFA in Malerei ab. Seit 2019 vertreten durch Hauser & Wirth. 2015 erhielt sie das MacArthur Fellowship — die Begründung lautete: Sie habe der menschlichen Figur eine kulturelle Bedeutung zurückgegeben, die im 20. Jahrhundert im Zuge der Abstraktion verloren gegangen war. 2018 wurde sie in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.

„Fallen Angels" bei Hauser & Wirth Hongkong 2026 ist ihre erste Solo-Ausstellung in Asien: elf neue Gemälde und drei Skulpturen, konzentriert auf drei Schauplätze des Mittelklassealltagslebens — Zuhause, Arbeit, Strand. Kein Pathos, keine großen Gesten. Eisenman hat eine Nähe zu George Condo und Philip Guston — Figuren, die ihre eigene Ungelenkheit tragen, als wäre sie ein Stilmerkmal. Die psychologische Dichte entsteht nicht durch Intensität, sondern durch Unentschiedenheit.

Top-Galerie

Lenz Geerk

*1988, Basel (Schweiz) — lebt in Düsseldorf · Roberts Projects / MASSIMODECARLO

Lenz Geerk studierte an der Kunstakademie Düsseldorf in den Meisterklassen von Siegfried Anzinger und Lucie McKenzie. Er wird vertreten durch Roberts Projects (Los Angeles), MASSIMODECARLO (Mailand) und Nicola Vassell Gallery. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des ICA Miami, des Museum of Fine Arts Boston, des Hirshhorn Museum Washington D.C., des Walker Art Center Minneapolis, der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo Turin, der Foundation Louis Vuitton Paris und des Kunsthaus Zürich.

Im März 2026 setzte sein Gemälde „Couple on a Fresco" bei Christie's Hongkong mit HK$ 2,1 Millionen (ca. 275.000 US-Dollar) einen neuen persönlichen Auktionsrekord. Geerk malt Figuren, die aus Träumen oder Tagträumen stammen. Die Gesten sind durch Gefühl geformt, nicht durch Beobachtung. Die Palette ist gedämpft, oft in Pastelltönen, dann plötzlich ein wärmerer Akzent — wie ein Einfall, den man nicht unterdrückt hat. Für expressiv arbeitende Maler: hier ist ein Referenzpunkt dafür, wie atmosphärische Figuration institutionelle Anerkennung und Markterfolg vereinen kann.

Top-Galerie / Emerging

Walter Price

*1989, Macon (Georgia, USA) — lebt in New York City · David Zwirner / Greene Naftali

Walter Price diente vier Jahre in der US Navy — an Bord der USS Whidbey Island — bevor er mit dem GI Bill Kunst studierte. Heute vertreten durch Greene Naftali, David Zwirner (seit 2024) und The Modern Institute. 2018 hatte er eine Solo in der MoMA PS1, New York; 2021 zeigte das Camden Art Centre London „Pearl Lines" mit begleitendem Monographiebuch. Im März 2026 eröffnete er mit „Pearl Lines" seine erste Asien-Solo bei David Zwirner Hongkong.

Price ist der vielleicht interessanteste Maler seiner Generation, wenn es um das Verhältnis zwischen Abstraktion und Figuration geht: Seine Bilder — oft auf Holzpaneelen — integrieren Textil und Fotografie, ohne strenger Allegianz zu keiner der beiden Seiten. Motive traversieren die reale Welt und die Traumwelt. Die Farbigkeit ist intensiv, die Komposition oft labyrinthisch. Price zeigt, was passiert, wenn jemand mit einem ganz anderen Hintergrund Malerei als Sprache findet — ohne akademische Distanz, als gewählte Haltung.

Institution

Elizabeth Peyton

*1965, Danbury (Connecticut, USA) · David Zwirner

Elizabeth Peyton studierte 1984 bis 1987 an der School of Visual Arts in New York. Sie ist bei David Zwirner. 2023 wurde sie zur Hôte du Louvre — Atelierstipendiatin im Louvre-Palast selbst, anlässlich des 230. Jahrestages des Museums. Ihre Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des MoMA New York, des Metropolitan Museum of Art, des Centre Pompidou Paris, des Art Institute of Chicago, des Museum of Fine Arts Boston, des LACMA, der National Portrait Gallery London und des Kunstmuseum Basel.

„mountains in my heart (the death of Sarpedon)" läuft noch bis 2. Mai 2026 bei David Zwirner New York — ihre erste Einzel-Ausstellung dort. Den Bogen von Sarpedon (trojanischer Held, Sohn des Zeus) zu charakteristischen kleinen Porträts zu ziehen ist Peytons Spezialität: Geschichte und Gegenwart in einem Gesicht. Was Peyton interessant macht: Sie ist das Gegenteil von großformatig-expressiv — kleine Formate, intime Skala, Berühmtheit als Sujet. Basquiat hat dieselbe Frage auf riesigen Flächen gestellt. Peyton stellt sie mit Aquarell auf Papier. Die Frage ist dieselbe.

Impasto — Die Sprache des Gewichts

Impasto (ital.: Teig, Paste) bezeichnet die Maltechnik, bei der Farbe so dick auf den Malgrund aufgetragen wird, dass sie plastisch aus der Oberfläche hervortritt. Das Gemälde gewinnt eine dritte Dimension — nicht als Illusion, sondern als physische Tatsache.

Die Technik entstand in der Hochrenaissance, wurde von Tizian und Rembrandt zur Meisterschaft geführt und trat mit dem Expressionismus in der Moderne zu ihrer vollen Kraft: Van Gogh, Chaïm Soutine, Willem de Kooning, Joan Mitchell. Im expressiven Maler-Kanon arbeiten Georg Baselitz und Daniel Richter mit unterschiedlichen Impasto-Graden; Jean-Michel Basquiat nutzte dicke Acrylaufträge als materielle Behauptung im Raum.

Materialien: Ölfarbe oder Acryl — Malmesser (verschiedene Klingenformen) — Impasto-Gel oder Strukturpaste — grundierte Leinwand (mind. 380 g/m²) oder Holzplatte — optional: Sand, Marmormehl für zusätzliche Körnung.

01
Grundierung Feste, etwas rauhe Oberfläche wählen. Leinwand zweifach mit Gesso grundieren, zwischen den Schichten leicht schmirgeln. Je rauer der Untergrund, desto mehr Widerstand bietet er der Farbmasse — und desto interessanter wird die Textur.
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Farbmischung mit Impasto-Gel Impasto-Gel im Verhältnis 1:1 bis 1:2 zur Farbe einmischen. Das Gel erhöht das Volumen ohne Aushöhlung der Farbpigmente. Bei Öl: kein zusätzliches Leinöl in dieser Phase — die Farbe muss Stand haben.
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Auftrag mit dem Malmesser Das Malmesser — nicht der Pinsel — ist das eigentliche Werkzeug der Impasto-Technik. Farbe mit der flachen Klinge auf den Malgrund setzen, pressen, ziehen. Kantiger Auftrag hinterlässt Gratspuren — präzise oder zufällig je nach Druck. Breite Raute für große Flächen, schmales Trapez für lineare Setzungen.
04
Schichtung — Fat over Lean Bei Öl: jede Schicht fetthaltiger als die vorige. Erste Schichten mit verdünnter Farbe (mehr Terpentin), obere Schichten mit reiner oder ölangereichterter Farbe. Bei Acryl: Schichten können direkt übereinander, das Bindemittel trocknet flexibel.
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Negative Setzung — Abziehen Impasto entsteht nicht nur durch Hinzufügen, sondern auch durch Entfernen. Mit dem Malmesser Farbe abziehen, bis der Untergrund oder die darunter liegende Schicht durchschimmert. Diese Kratzer und Öffnungen in der Masse sind oft die stärksten Stellen im Bild.
06
Trocknung und Firnis Ölimpasto braucht je nach Dicke Wochen bis Monate zum vollständigen Durchtrocknen. Nicht zu früh firnissen. Acryl neigt zum Einsinken — nach dem Trocknen Isolierlack (Retuschefirnis) auftragen, bevor eine weitere Schicht folgt.

Erwartetes Ergebnis: Ein Gemälde, das Licht von sich wirft statt nur zu reflektieren. Die Reliefoberfläche erzeugt Eigenschatten — das Bild verändert sich mit dem Lichteinfall. Besucher berichten, dass sie unwillkürlich die Hand heben wollen. Das ist kein Unfall.

Oldenburg

Oldenburger Kunstverein

Babette Semmer — Die Zähmung

20. Februar – 10. Mai 2026

Die Berliner Malerin Babette Semmer (*1989 London), Slade School und Städelschule (Klasse Amy Sillman), zeigt ihre erste große institutionelle Einzelausstellung. Bildmaterial aus Teenagermagazinen, Soap Operas und privaten Fotosammlungen wird auf quarzsandgrundierte Leinwände in Öl übertragen — altmeisterliche Technik für zeitgenössische Bildwelten. Die Malerei pendelt zwischen Realismus und Impressionismus, zwischen Dokumentation und Narration. Ein seltener Moment: eine präzise Stimme bei erster institutioneller Lautstärke.

Oldenburg

Haus für Medienkunst Oldenburg

Theresa Reiwer — The World Within − The World Without

14. März – 14. April 2026

Das Haus für Medienkunst Oldenburg (ehemals Edith-Russ-Haus) zeigt die neue Arbeit der Stiftung-Niedersachsen-Stipendiatin Theresa Reiwer. Die Installation untersucht die Grenze zwischen innerem Erleben und äußerer Wahrnehmung — ein raumgreifender Ansatz, der Medienkunst und Körperpräsenz verbindet. Letzter regulärer Ausstellungstag: 14. April 2026.

Bremen

Kunsthalle Bremen

Friedrich Nerly — Natur und Antike / Nerly in Venedig

14. März – 5. Juli 2026

Doppelausstellung zum fast vergessenen deutschen Romantiker (1807–1878). „Natur und Antike" zeigt Nerlys frühe Romjahre, darunter das restaurierte Werk „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia" (1836), nahezu 200 Jahre nicht öffentlich zu sehen. „Nerly in Venedig" versammelt Zeichnungen und Aquarelle zu seinen ikonischen Venedigansichten. Für Maler, die mit Atmosphäre und Licht arbeiten: ein seltenes Material aus dem Archiv der Romantik. Eintritt 12 Euro, ermäßigt 7 Euro.

Bremen

Weserburg Museum für moderne Kunst

Anys Reimann — Mirrorball

Eröffnung 30. April 2026, 19 Uhr — Laufzeit: 2. Mai – 4. Oktober 2026

Eröffnung: 30. April 2026

Erste Museumseinzelausstellung der Düsseldorfer Künstlerin Anys Reimann (*1965). Großformatige Collagengemälde, Lederskulpturen, Spiegelobjekte und Körperabgüsse mit geballten Fäusten — und ein begehbarer schwarzer Garten: ein Archipel aus ausschließlich schwarzblühenden Pflanzen, olfaktorisch angereichert. Reimann porträtiert Schwarze Frauen — selbstbewusst, vielschichtig, mit dem Blick, der zurückgeht. Noch nicht eröffnet — aber der Termin lohnt sich einzuplanen.