Der Kunstmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 mit einer Wucht zurückgekehrt, die vor zwölf Monaten kaum jemand für möglich gehalten hätte. Christie's meldete für die ersten sechs Monate einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden Dollar, davon 3,5 Milliarden Dollar aus öffentlichen Auktionen — ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einer Verkaufsquote von 91 Prozent. Sotheby's zog mit 3,4 Milliarden Dollar Auktionsumsatz (plus 59 Prozent) und einem Rekord bei den Privatverkäufen (826 Millionen Dollar) nach. Zusammen mit Phillips kamen die drei großen Häuser im ersten Halbjahr auf 6,8 Milliarden Dollar Gesamtumsatz, ein Plus von 70 Prozent im Jahresvergleich.
Treiber der Erholung war weniger spekulativer Zeitgenossen-Hunger als die Rückkehr zu musealen Kernbeständen aus großen Nachlässen. Bei Christie's Mai-Auktion der Sammlung des Condé-Nast-Patriarchen S. I. Newhouse stellte Jackson Pollocks Number 7A mit 181,2 Millionen Dollar einen neuen Rekord für den Abstrakten Expressionismus auf. Aus derselben Sammlung erzielte Joan Mirós Portrait de Madame K. 53,5 Millionen Dollar. Bei Sotheby's Verkauf der Sammlung des Kunsthändlers Robert Mnuchin erreichte Mark Rothkos Brown and Blacks in Reds 85,8 Millionen Dollar — übertroffen von Rothkos No. 15 (Two Greens and Red Stripe) aus der Sammlung der früheren MoMA-Präsidentin Agnes Gund, das bei Christie's 98,4 Millionen Dollar erzielte: der höchste je für ein Werk des Künstlers gezahlte Preis. Aus dem Nachlass der Galeristin Marian Goodman wechselte Gerhard Richters Stillleben Kerze (Candle) für 35,1 Millionen Dollar den Besitzer, bei Sotheby's erzielte Jean-Michel Basquiats Museum Security (Broadway Meltdown) 52,7 Millionen Dollar.
Auch London zeigte Stärke: Die Versteigerung der Sammlung von Joe Lewis erbrachte im Abendverkauf 296,3 Millionen Pfund und wurde von Sotheby's als wertvollster Verkauf von Werken des Impressionismus, der Moderne und der Gegenwartskunst bezeichnet, der je in Europa stattgefunden hat. Der Gesamtumsatz Londons stieg laut ArtTactic im ersten Halbjahr um 131 Prozent auf 1,42 Milliarden Dollar. Das Bild ist eindeutig: 2026 ist das Jahr, in dem der Markt sein Vertrauen in kanonisierte Nachkriegsmalerei zurückgewonnen hat — nicht in das nächste große Ding.