Das erste Halbjahr 2026 markiert die stärkste Erholung des internationalen Auktionsmarkts seit fünf Jahren — getragen jedoch fast ausschließlich vom oberen Marktsegment. Christie's meldete für Januar bis Juni einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden Dollar, davon 3,5 Milliarden aus Auktionen, ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum; die Verkaufsquote stieg auf 91 Prozent. Sotheby's übertraf dies mit 4,4 Milliarden Dollar Gesamtumsatz (plus 58 Prozent), auch begünstigt vom Umzug in das Breuer Building an der Madison Avenue.
Getragen wurde die Erholung von einzelnen großen Sammlungsauflösungen: Allein die Mai-Verkaufswoche bei Christie's in New York brachte 1,4 Milliarden Dollar ein, angeführt von der Sammlung des verstorbenen Verlegers S. I. Newhouse, die insgesamt 630,8 Millionen Dollar erzielte. Aus ihr stammte auch ein neuer Künstlerrekord: Jackson Pollocks Number 7A (1948) erzielte 181,2 Millionen Dollar. Ebenfalls bei Christie's stellte Mark Rothkos No. 15 (Two Greens and Red Stripe) mit 98,4 Millionen Dollar einen neuen Rekord für den Maler auf — der höchste je für Rothko gezahlte Preis.
Ganz anders das Bild bei jüngerer Kunst: In Sotheby's Abendauktion „The Now and Contemporary" stammten von 45 Losen nur zwei von Künstler:innen unter 40 Jahren, im Pendant bei Christie's war es unter 31 Losen ein einziges. Selbst Phillips, traditionell die Bühne für junge, spekulative Positionen, verzeichnete unter 42 Losen der Frühjahrs-Abendauktion nur ein Werk einer Künstlerin unter 40 — Anna Weyants Dinner (2019) für 980.400 Dollar. Phillips' Gesamtumsatz im ersten Halbjahr stieg zwar um 60 Prozent auf 507 Millionen Dollar, getragen jedoch maßgeblich von einer Uhrenauktion in Genf mit 43 neuen Rekorden, nicht von zeitgenössischer Malerei.
Der anhaltende Umbruch im Galeriensektor — im Februar schloss etwa Stephen Friedman Gallery in London und New York — bestätigt die wachsende Kluft zwischen Primär- und Sekundärmarkt. Dass Käufer:innen dennoch für nachweisliche Qualität zahlen, zeigte im April die restlos ausverkaufte Schau des Malers Nick Goss bei Josh Lilley in London: Die Preise zwischen 55.000 und 65.000 Pfund lagen nur knapp über seinem bisherigen Auktionsrekord von 50.800 Pfund — ein Signal, dass belastbare Primärmarktnachfrage für mittlere Preissegmente nicht verschwunden, sondern selektiver geworden ist. Auch London zeigte im Juni mit der Versteigerung der Sammlung Joe Lewis Stärke: der umsatzstärkste Einzelsammlungs-Verkauf, den der europäische Auktionsmarkt bislang verzeichnet hat.